Nach drei intensiven und auch äusserst unterhaltsamen Tagen (Sir Martin Sorrell hat nicht nur über die drohende Rezession und die aufstrebenden BRIC Staaten gesprochen, sondern auch vor versammeltem Publikum (schlecht) gesungen), ist der 5. Stream Event letzte Woche zu Ende gegangen. Die unzähligen Workshops, Gespräche und Referate, mit einer globalen Teilnehmerschaft, generieren ein äusserst interessantes Bild der zukünftigen Entwicklung in der Kommunikationsbranche. Generell kann man festhalten: Die digitale Revolution ist im vollen Gange und beschleunigt sich zusehends. Erfasst sie doch auch immer stärker Konzerne wie P&G, Danone, Unilever, Nestlé etc., die zu den ganz grossen traditionell orientierten Ad-Spendern der Welt gehören.
Top Trend: Die Welt von Morgen ist Social
Natürlich war „Social Media“ eines der ganz grossen Themen an der Stream. Es ging aber weniger darum, über neue Tools und Möglichkeiten auf Facebook etc. zu diskutieren, sondern der Fokus lag darauf zu verstehen, welchen Einfluss „Social Media“ auf Brands hat und wie die Unternehmen damit umgehen sollen. Nach der diesjährigen Stream darf man durchaus festhalten, dass die meisten Unternehmen das grosse Potential von „Social Media“ erkannt haben und es dementsprechend immer besser nutzen. Es gab auch Unverbesserliche, wie diese nette Dame aus Deutschland, die gleich bei einer der ersten Sessions fragte: “Wann ist eigentlich der ganze „Social“ Hype vorüber?“

Als Take Away aus der diesjährigen Stream lassen sich folgende sieben wichtige Trends ableiten:
1.Trend: Unternehmen werden „Social“
Unternehmen wenden sich immer mehr „Social Media“ zu. Verstehen immer besser wie sie damit umgehen müssen. Verstehen, dass der erfolgreiche Start mit zuhören beginnt und allozieren dementsprechend mehr Budget in diesen Bereich.
2.Trend: Branded Content
Wer heute die Relevanz seiner Marke beim Kunden erhöhen will, schafft dies primär mit echtem Inhalt, der für seine Zielgruppe einen klaren Mehrwert darstellt. Dies ist selten nur eine Imageanzeige oder ein toll inszenierter Spot, viel stärker ist das Bedürfnis beim Kunden nach echtem Inhalt, der die Markenpositionierung reflektiert, respektive zum jeweiligen Produkt passt. Branded Content und – Entertainment gehören in der Zukunft zu den ganz grossen Themen der Kommunikationswelt.
3.Trend: True Conversations
Natürlich wollen die Konsumenten von morgen (und auch schon heute) nicht nur tolle Inhalte konsumieren, sondern sie wollen sich verstanden fühlen. Dialogmarketing, wie wir es früher verstanden haben, ist hier nicht die ideale Antwort. Besteht der „klassische“ DM-Approach doch im Kern nur aus einem standardisierten Pseudo-Dialog. Vielmehr geht es heute um eine richtige Konversation. Der Unterschied? Der Dialog im Dialogmarketing-Verständnis ist oft nur eine Antwort auf eine Frage (sequenzieller Ablauf). Die Konversation dahingegen besteht viel mehr aus echtem Zuhören (in einer Gruppe) und das Teilnehmen an dieser Diskussion als quasi gleichberechtigter Partner.
4. Trend: „Video killed the Printstar” – Schauen ist besser als lesen
Wenn die Konsumenten was zum Sehen haben, lesen sie nicht. Die Menschen von heute lesen lieber weniger, dafür konsumieren sie umso lieber mehr Bewegtbild. Der Text als Einleitung ist eine tolle Sache, danach muss er dem inhaltlich gut gemachten Video weichen. Ob auf Newsportalen oder Company-Sites ist eigentlich egal. Video wird dementsprechend im digitalen Bereich über die kommenden Jahre nochmals nachhaltig an Bedeutung zunehmen.
5.Trend: „The second Screen“
Natürlich wird weiterhin TV konsumiert. Nur muss das klassische TV immer mehr dem IPTV weichen. Und mit dem Aufkommen von WiFi zu Hause und der starken Verbreitung von Smartphones und Tablets (iPad etc.) gewöhnen sich die Zuschauer immer mehr daran, parallel zum TV-Konsum diese Geräte einzusetzen. Und zwar nutzen sie den „second Screen“ zeitgleich während Liveshow zur Inhaltsvertiefung, für Abstimmungen, Kommentare und um mit Freunden über den Inhalt zu Chatten. Inhaltsanbieter werden immer stärker gefordert, diese Funktionen anzubieten.
6.Trend: „Organic“ oder Marken werden authentisch
Die Hochglanz-Ära ist vorbei, der mündige Konsument sucht heute vielmehr das Echte, will quasi die ungeschminkte Wahrheit sehen, will spüren, dass es echt ist. Ein Produkt-Test eines Privatnutzers generiert oft mehr Views als der Spot des Unternehmens oder der professionell gemachte Review. Der Konsument will echte Nähe zu „seiner“ Marke fühlen. Umso mehr, da es heute als Anbieter unmöglich ist, dem Kunden falsche Tatsachen vorzugaukeln, da im digitalen Zeitalter die Entlarvung selten länger als 24 Stunden auf sich warten lässt. Die Marke von morgen ist authentisch und kommuniziert auf eine natürliche Art und Weise.
7. Trend: Seed, listen, learn and adopt
Kampagnen müssen in Zukunft grundsätzlich anders entwickelt werden. Natürlich basieren sie immer noch auf einen guten „Leitidee“, aber sie müssen immer stärker so ausgelegt werden, dass man als Unternehmen, je nachdem wie das Feedback aus der Community ist, reagiert und die Kampagne anpassen kann. Das Feedback muss in Zukunft in die Kampagne einfliessen und diese über die Zeit verändern, so dass dadurch die Relevanz und damit auch der Impact steigt. Dies bedeutet aber auch, dass initiale Grossproduktionen eher der Vergangenheit zuzuordnen sind. Die Kampagnen von morgen bestehen eher aus kleineren, in sich zusammenhängenden aber über die Zeit entwickelten Massnahmen. Ein tolles Beispiel dazu ist die erfolgreiche „Old Spice“-Kampagne, die mit einer grossen Idee gestartet ist und dann das Community-Feedback smart in die nachfolgenden Massnahmen eingebaut hat.
