Die gamescom 2010 in der Messe Köln zeigt klar auf, wohin sich die Trends im Spielebereich entwickeln: Bewegungssteuerung und stereoskopische Games waren an den Ständen fast aller grossen Publisher zu sehen. Daneben werden aber auch Mobile- und Browser-Games immer populärer, nicht zuletzt dank der einfachen Distribution – ein Handy und ein PC mit Browser hat heute (fast) jeder.
Der intelligente Controller
Seit es Spielkonsolen gibt, gehören mehr oder weniger ausgeklügelte Eingabegeräte (Joystick, Gamepad, Wiimote) fix zum Lieferumfang. Mit der Wii hat Nintendo Ende 2006 eine Revolution ins Rollen gebracht: Die Wiimote, verfügte über eine eingebaute Infrarotkamera und einen Beschleunigungssensor und ermöglichte so die Positionsbestimmung und die Messung von Bewegung und Rotation. Dadurch wurden ganz neue Möglichkeiten zur Steuerung von Computerspielen geschaffen, die auch eine ganze Reihe neuer Spiele hervorbrachte. Fortan sah man wild hampelnde Wii-Enthusiasten durch die Wohnungen hüpfen.
Der kommerzielle Erfolg der Wii brachte die zwei anderen grossen Player im Konsolenmarkt, Sony und Microsoft unter Zugzwang. Mit Move für die PlayStation 3 (Sony) und Kinect für die Xbox 360 (Microsoft), steht uns im wahrsten Sinne des Wortes ein bewegter Herbst bevor.
PlayStation Move besteht aus der bereits bekannten PlayStation Eye Webcam und dem neuen PlayStation Move motion controller. Dieser besteht aus einem Beschleunigungssensor und einem Kreisel, die jeweils Bewegungen in 3 Achsen messen können. Dazu kommt eine leuchtende Kugel am vorderen Ende des Controllers, die per Motiontracking von der Eye Kamera erfasst werden kann. Die Kamera kann bis zu vier Controller gleichzeitig erfassen und ermöglicht damit auch multiplayer Games. PlayStation Move kommt voraussichtlich ab dem 15. September in die Läden, das Bundle mit Kamera, Controller und Starterdisc kostet ca. 60€.
Während man bei Sony noch immer ein Gerät in den Händen halten muss, kommt man bei Microsofts Kinect vollständig ohne Controller aus. Aus technologischer Sicht, führt Kinect das Feld eindeutig an: Neben einer RGB Webcam enthält das System auch einen Infrarotprojektor mit passender Infrarotkamera für die Tiefenmessung, sowie einem Mikrofon-Array aus vier Mikrofonen für die positionsgenaue Erfassung von Sprache und Geräuschen. Mit dieser Hardware kann die Xbox 360 Software Gesten, Gesichter und Sprachbefehle erkennen, und zwar von bis zu sechs Personen gleichzeitig. Das System kann sich selbst kalibrieren und z.B. Möbelstücke wie Stühle als solche erkennen und ignorieren. Auch die Ausrichtung der Kameras und Mikrofone geschieht automatisch über einen motorisierten Standfuss. Kinect gibt es in Europa ab dem 10. November für 219.- Fr. (inkl. einem ersten Spiel, exkl. Xbox 360) zu kaufen.
(via Glozzer.tv)
Spielen in der dritten Dimension
Neben den neuen Eingabe-Devices erlebt auch die Ausgabe von Spielen auf dem Fernseher oder Videobeamer eine neue Dimension. Nach dem grossen Erfolg von 3D Filmen im Kino (Avatar etc.) springt nun auch die Spieleindustrie auf den fahrenden Zug auf.
3D Unterstützung für den PC gibt es ja eigentlich schon länger, vor allem in Kombination mit sogenannten Shutter-Brillen. Diese decken jeweils abwechselnd das linke und rechte Auge ab, während auf dem Bildschirm synchron dazu jeweils ein perspektivisch angepasstes Bild angezeigt wird. Dies geschieht pro Auge in der Regel mindestens 60 Mal pro Sekunde, damit eine flüssige Bewegung entsteht.
Mit den neuen 3D fähigen TV Geräten wird dieses Verfahren auch im Wohnzimmer immer populärer. Die Shutter-Brille ist dabei meist noch nötig, obwohl bereits Geräte existieren, bei denen auch ohne Brille ein 3D Effekt erzeugt werden kann. Diese Geräte stecken aber technologisch noch in den Kinderschuhen und sind sehr teuer. Vermutlich ist es aber nur noch eine Frage der Zeit, bis solche autostereoskopischen Displays auch für den Consumer-Markt verfügbar und bezahlbar sind.
Während Microsoft sich im 3D Bereich noch eher zurückhält, prescht Sony kräftig vor: Per Firmware-Update wird die PlayStation 3 für die 3D Darstellung aufgerüstet. Das System ist danach in der Lage, sowohl 3D Filme ab BluRay als auch Games mit 3D Unterstützung darzustellen. Sony hat wohl nicht zuletzt auch eine Umsatzsteigerung bei den hauseigenen 3D-fähigen TV-Geräten im Hinterkopf.
Mit dem Nintendo DS Nachfolger 3DS präsentieren die Japaner sogar eine 3D-fähige autostereoskopische Handheld Konsole, bei der keine Brille benötigt wird. Allerdings dürfte der 3D Effekt auf dem kleinen Display mit der eher geringen Auflösung nicht umwerfend sein.
Mobile- und Browser-Games im Vormarsch
Nach dem grossen Erfolg von browserbasierten Spielen wie Farmville oder Mafia Wars bieten nun auch zunehmend grössere Spieleschmieden Games an, die im Webbrowser laufen. Häufig werden diese dann im free-to-play Modell (also Gratis) angeboten. Die Finanzierung solcher Games geschieht neben Werbe-Einblendungen immer häufiger über Micropayments (z.B. per SMS), mit denen Ingame-Gegenstände oder Levels dazugekauft werden können.
Ähnlich funktioniert auch das Geschäft mit den Handy-Spielen, das vor allem durch den komfortablen Einkauf in den App-Stores der Systemhersteller begünstigt wird. Mit Windows Mobile 7 steigt demnächst auch Microsoft in dieses Geschäft ein und integriert seine Xbox Live Infrastruktur gleich als festen Bestandteil in das neue Mobile OS. Dieses ist übrigens auch für die Game-Entwickler sehr interessant: Das XNA Game Studio, in welchem bisher Games für Windows, Xbox 360 und Zune entwickelt werden konnten, unterstützt neu auch Windows Mobile 7. Dadurch wird die Entwicklung von plattformübergreifenden Spielen wesentlich vereinfacht.
Insgesamt erwartet uns also ein sehr spannender Herbst und die langen, dunkeln Winterabende werden dank den Innovationen der Spielindustrie bestimmt etwas erträglicher und vor allem unterhaltsamer.