Die 2009er Ausgabe des Werbefestivals wird vermutlich als das Jahr mit den wenigsten Besuchern überhaupt in die Geschichte eingehen – so ruhig sah ich die Croisette in dieser Zeit wirklich noch nie. 2009 wird aber auch als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem sich das Web durchs Band resp. durch fast alle Kategorien (endlich) zum Ziel- wenn nicht sogar Lead-Medium praktisch jeder ernstzunehmenden Kampagne behauptete. Es scheint, der Groschen sei endlich gefallen...
Ebenfalls charakteristisch für diesen Jahrgang: Wirft man einen Blick auf die verdienten Gewinner bei den Cyberlions, präsentieren sich hier wahrlich Cases aller Couleur – von der Mobile- zur Social Media-Kampagne, vom Banner zur Site, von der App zum Community Tool. - Die Bandbreite an ausgezeichneten Projekten bildet perfekt die Vielfalt an Möglichkeiten im Web ab und unterstreicht damit wunderbar, wie wenig das Web als Disziplin verstanden werden darf. Besonders erfreulich: Das Prinzip „auf YouTube platzierter Offline-Commercial wird zum Online-Viral“ war chancenlos und wurde bereits im Vorfeld aussortiert. - Gerade hier könnte sich manche Kategorisierung und Jurierung anderer Awards m.M. ein Vorbild nehmen.
Und noch etwas fällt auf: Praktisch keines der auf den obersten Rängen plazierten Projekte war nicht schon im Vorfeld aufgefallen – sei es hier im Frog-Blog oder auf anderen Plattformen.
Aber zurück zur digitalen Vielfalt: Nur schon bei den Grand-Prix-Gewinnern findet sich heuer mit (einmal mehr) „The best Job in the World“ eine wahrlich global orchestrierte Kampagne integrierter Kommunikation, mit Fiats „Eco:Drive“ setzte sich ein zukunftsweisendes Produkte-Tool durch und Batmans globale „The Dark Knight“ Viral-Kampagne wird unbestritten als eine der am cleversten verknüpften und lokalisierten Viral-Kampagnen in die Geschichte eingehen.
Als grosser Gewinner bei den güldenen Cyberlions räumte mengenmässig die Online-Kampagne „Banner Concerts“ ab (die ganze Gewinner-Liste gibt’s hier) – und bewies zusammen mit Nintendo auch, dass der Banner noch lange nicht sein Potential ausgeschöpft hat.
Burger Kings „Whopper Sacrifice“ schrammte indes knapp am Grand Prix vorbei, da man die leicht negative (und von Facebook relativ rasch unterbundene) Massnahme nicht ganz ohne Gegenwind durch die Jurierung brachte.
Mein persönliches Fazit: Auch wenn 2009 nicht unbedingt als bester Jahrgang für die Schweizer Löwenausbeute gelten kann, bieten die Gewinner-Projekte genügend Anschauungsmaterial, um sich aus der Perspektive einer Interaktiv-Agentur eigentlich nur noch mehr auf die schier unlimitierten Möglichkeiten der Zukunft zu freuen. Oder wie es ein Kollege aus den USA wunderbar auf den Punkt brachte:
„2009 is the Inspiration for 2010“
Obschon ich mit Zukunft eigentlich eher schon den kommenden Montag meine… ;-)