In einem Artikel des New Yorker Wall Street Journals wird Microsoft bezichtigt, "Schläfer" in ihre Software einzubauen. Illustriert wird dies am Beispiel einer Schule in Miami, die begonnen hat, mit den gratis SharePoint Services Intranet-Funktionalitäten aufzubauen. Anschliessend sei man ganz unbeabsichtigt in der Falle des Lock-in-Mechanismus gelandet und jetzt gezwungen, weiterhin auf Sharepoint zu setzen. Zudem müsse man, um alle Features der neuesten Version von SharePoint (sog. MOSS 2007) nutzen zu können, auf Office 2007 migrieren. Ein Schritt den viele Unternehmen sonst nicht machen würden.

Schon erstaunlich, so Tendenziöses im Wall Street Journal zu lesen. Der Lock-in-Effekt sollte wohl jedem seit Rockefellers Öllampen zur Genüge bekannt sein und er ist -- gerade in der Software-Industrie -- ein beliebtes und adäquates Mittel: Gratis-Versionen mit eingeschränktem Funktionsumfang sind von fast jeder Bezahl-Software verfügbar; wobei hier die SharePoint Services eigentlich einen entscheidenden Schritt weiter gehen. Sie bieten ein Software-Fundament, auf dem man (fast) beliebige Funktionalitäten selbst aufbauen kann. Eingeschränkt wird man nicht durch limitierte Services, sondern wohl eher durch eigene Entwicklungs-Budgets.
Auch das Argument, dass SharePoint ein Migrations-Vehikel für Office 2007 sei, ist wohl maximal am Rande zutreffend. Es versteht sich von selbst, dass Funktionen, die in Office 2003 noch nicht existierten, auch nicht benutzt werden können.
Die Grundaussage stimmt natürlich, "wie man sich bettet, so liegt man". Und: Liegen bleiben ist immer bequemer, als das Bett zu wechseln. Gerade bei unternehmenswichtigen Dingen, wie einem Intra-, Extranet oder einem CMS für die Corporate Website sollte man schon vorab eingehend prüfen, in wessen Bett man sich legt.
Immerhin bietet hier SharePoint -- gerade im sehr engen Zusammenspiel mit den Office Produkten -- diverse Import- und Exportmöglichkeiten der Site-Inhalte von/nach MS Excel und MS Access.
Kein Hersteller macht grosse Anstrengungen, seinen Kunden einen Produktewechsel (sog. Sidegrade) möglichst einfach zu machen. Da springt dann die Konkurrenz mit Migrationstools oder attraktiven Lizenzmodellen ein...