Es mag sein, dass es auf der Welt mehr Radiohörer gibt als Podcast-Hörer. Wer deswegen aber glaubt, dass Podcasts ein Randgruppen-Phänomen sind, irrt. Oder er hat ein sehr einseitiges Verständnis von Podcasts. Sicher gibt es Freaks, die jede Woche eine eigene Radio-Show aufnehmen, auf ihrer persönlichen Website bereitstellen und damit etwa 3,7 Hörer erreichen. Wer einmal einen Blick in die Rubrik "Podcasts" des iTunes Store wirft, wird aber feststellen, dass es dort sehr viele professionelle Content-Anbieter gibt. Einige Beispiele:
- Öffentlich-rechtliche Sendeanstalten stellen Audio- und Video-Beiträge ihrer beliebtesten Sendungen bereit. Vom Schweizer Fernsehen beispielsweise kann man von der Rundschau über den Kassensturz bis zum Kulturplatz wichtige Magazin-Sendungen on demand sehen. Und was den Öffentlich-rechtlichen recht ist, ist den Privaten nur billig: Auch RTL oder Pro7 stellen ausgewählte Sendungen in den iTunes Store.
- Klassische Medienhäuser nutzen Podcasts zur Zweitverwertung von bestehendem Content oder produzieren gar exklusiven Podcast-Content. Auf diesem Weg kommen auch Print-Titel kostengünstig zu einem audiovisuellen Kanal. Und nicht etwa nur grosse amerikanische Titel wie Newsweek, New York Times oder Washington Post - auch Bilanz, Cash Daily oder Tages-Anzeiger produzieren Podcasts. Damit erzielen sie nicht nur einen Branding-Effekt, sondern sammeln auch Erfahrungen in einem Medienumfeld, in dem die Kanäle zunehmend konvergieren.
- Special-Interest-Themen, die in regulären Radio- und TV-Programmen keinen Sendeplatz erhalten, finden auf diesem Weg ihr Publikum. Computer-, Gadget- und Game-Podcasts führen hier die Rangliste naturgemäss an. Viele Video-Podcasts sind inzwischen absolut professionell produziert und sind ein nicht zu unterschätzender Kommunikationskanal für eine höchst affine Zielgruppe.
- Grundsätzlich bieten Podcasts sogar einzelnen Unternehmen die Chance für einen eigenen TV-Kanal. Professionell genutzt wird dies allerdings erst selten. Vorreiter ist hier die Automobilbranche, namentlich Audi, BMW, Volkswagen oder Volvo.
P.S. Ein Vodcast ist kein falsch geschriebener Podcast, sondern ein
Video-Podcast.